Donnerstag, der 28.03.2019

Heute fing der Tag wieder etwas verschlafen für alle an. Da tat das leckere Frühstück gut, um Energie tanken zu können. Wir waren alle etwas zu spät, aber wir kamen dann doch noch pünktlich am Parkplatz an. Das war gut, da es etwas nieselte und wir so nicht allzu nass wurden 😉   

Unser Busfahrer begrüßte uns so nett wie immer, wir fuhren nach Majdanek und arbeiteten an unseren Themen im Archiv weiter. 
Heute war der letzte Tag, an dem wir die Möglichkeit hatten, im Archiv zu arbeiten. Also war Materialiensammeln und digitales Archivieren angesagt. Da wir unsere Ergebnisse heute den polnischen Schülern vorstellen wollten und sie uns ihre, hatten wir etwas weniger Zeit als an den anderen Tagen.
Unsere Themen waren: Die Motive und Biografien ausgewählter Täter, die Opfergruppe der Sinti und Roma, das Tagebuch der inhaftierten jungen Polin Jadwiga Ankiewicz und das kulturelle Leben im KL Majdanek. Abwechselnd stellten wir mit den polnischen Schülern unsere Ergebnisse vor. Die Gruppen der polnischen Schüler schilderte ihre Recherchen über das Leben und den Alltag der Kinder und Frauen  im Konzentrationslager Majdanek und die Aktion „Erntefest“.
Nach der Präsentation der Themen arbeiteten wir weiter an den Themenbereichen. Danach bekamen wir nochmal Zeit, individuell in Majdanek umzuschauen. Außerdem bekam jeder eine gelbe Tulpe von Frau Drewes, welche er an einem uns bedeutsamen Ort hinlegen konnte. Ich persönlich legte meine Tulpe an die Gedenktafel zur Aktion „Erntefest“. 
Bei der Aktion „ Erntefest“ wurden zweiundvierzigtausend Jüdinnen und Juden aus den Vernichtungslagern der Aktion Reinhardt am 3.und 4. November 1943 ermordet. Dieses Massaker ging von morgens bis abends. Es wurden große Gräben ausgehoben, in denen die Juden direkt beim Erschießen fielen.

Als wir die Führung durch Majdanek hatten und man uns davon erzählte, zog ein Film an mir vorbei, bei dem ich mir vorzustellen versuchte, wie die Häftlinge sich im tiefsten Winter ausziehen mussten, zu den Gräben getrieben wurden und danach erschossen wurden. Um die Schüsse und die Schreie des Massakers zu übertönen, dröhnte den ganzen Tag über klassische Musik aus riesigen Lautsprechern . Wie wir bei einem Vortrag der polnischen Schülern heute erfuhren, durften alle Juden die letzten drei Wochen vor dem Massaker nicht mehr ihre Baracken verlassen. So konnten alle erahnen, dass etwas Schlimmes bevorstand. 


Von Herrn Badio erfuhren wir gestern, dass es in den Baracken so sehr stank, dass man fast nicht atmen konnte. Er sagte, dass man, schon alleine um an frische Luft zu kommen, die Baracke schnell verließ und den morgendlichen Appell mehr oder weniger kaum erwarten konnte. Ich kann mir nicht ausmalen, wie schlimm es für die Betroffenen gewesen sein muss. Ein paar Tage nach den Massaker mussten die Leichen, die in den Gräben lagen, von anderen Häftlingen verbrannt werden. Man schichtete sie zu einem Scheiterhaufen .
Für mich war Majdanek sehr eindrucksvoll und erschütternd. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie unmoralisch oder- umgangssprachlich gesagt – was für unmenschliche (wenn man den Menschen als moralisches Wesen denkt) und grausame Sachen in Majdanek passierten sind. Die Atmosphäre war bedrückend. 
Sehr mitgenommen hat mich das Schicksal der Menschen, von denen wir erfuhren.

Auch beschäftigt hat mich die Anonymität der Ermordeten. So viele Menschen starben, ohne das man heutzutage weiß, wer sie waren. In meinen Gedächtnis ist besonders der Spruch „unser Schicksal soll euch eine Warnung sein“ der auf dem Mausoleum steht. Auch das Krematorium, der Platz des „Erntefestes“ und die ganzen Schuhe sind „in mein Gedächtnis gebrannt“. 
Die Arbeit im Archiv hat mir parallel dazu sehr verdeutlicht, welche mörderischen Taten in Majdanek ausgeführt wurden. Ich wusste zwar einiges schon vorher, allerdings kann man die Gräuel erst erfahren, wenn man wirklich vor Ort ist. Die Atmosphäre ist anders, man kann es nicht damit vergleichen, einen Dokumentarfilm über das Lager zu sehen, während man sich zu Hause nicht vom Ort bewegt.


Vor allem auch das  Gespräch mit Zeitzeugen war etwas sehr Besonderes. Herr Badio war damals 17 Jahre alt, als er nach Majdanek kam. Dieses Jahr wird er 94 Jahre und es ist ein Glück für uns Schüler, einen der letzten Zeitzeugen treffen zu können. Es hat mich sehr beeindruckt, auch dass es sich für uns die Zeit genommen hat, und es war sehr eindrucksvoll, wie er das erlebte Leid, aber auch sein Weiterleben schilderte. Am liebsten hätte ich Herrn Badio noch Stunden zugehört und ich bin mir sicher ,da spreche ich nicht nur für mich. 
Die nächste Tage werden sicher auch sehr dicht und voller Eindrücke sein.


(Mira Foron)

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