Mittwoch, der 27.03.2019:

Unser heutige Tag begann wieder mit einem verschlafenen, aber dennoch leckeren Frühstück. Um 9 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Weg zur Gedenkstätte Majdanek, wo wir individuell an unseren Themenschwerpunkten arbeiteten, einige im Archiv an Quellen, die anderen saßen zusammen in dem kleinen Raum und haben an Darstellungstexten gearbeitet.

Dann folgte das Zeitzeugengespräch mit Herrn Badio. Er erzählte uns von seiner Zeit als Gefangener im Konzentrationslager: mit 17 Jahren wurde er 1942 als Arbeitskraft als Häftling in das Lager gebracht, ohne zu wissen, dass es für ihn an diesen Ort geht, denn er wusste nach eigenen Aussagen auch gar nicht, dass es solche Lager gibt. Besonders bedeutsam war für mich, dass, sobald ihm seine Nummer zugewiesen wurde, er keine Identität mehr hatte, sondern nur noch seine Nummer ihn als Person darstellte (dies galt nicht für das Verhältnis der Häftlinge untereinander). Herr Badio hat lange bei Kanalisationsarbeiten mitgearbeitet, bis er dann in dem für ihn allerbesten Kommando im Lager arbeitete. Er arbeitete nämlich, obwohl er als Einziger in diesem Kommando kein Deutsch konnte, in der Kantine der SS-Wachmannschaften, wo er ausreichend Essen hatte und somit seine eigentliche Ration Essen an Mithäftlinge weitergeben konnte.

Herr Badio erzählte auch von der brutalen Behandlung durch die SS-Männer: er musste einmal zwei Wochen im Krankenhaus bleiben, weil er ausgepeitscht wurde.

Ich selbst könnte mir gar nicht vorstellen, dass ich mit 17 in ein Konzentraionslager müsste und dort unter härtesten Bedingungen arbeiten müsste, ohne zu wissen, warum ich überhaupt da bin und ob ich dort jemals wieder rauskomme. Zum Schluss erwähnte er, dass seiner Generation eigentlich sieben Jahre aus dem Lebenslauf gelöscht wurden. Heutzutage entstehen Lücken im Lebenslauf, weil man vielleicht nicht weiß was man tun will in seinem Leben, weil man Wartesemester absitzen muss oder weil man auf Reisen geht, aber für viele hat damals mit dem KZ ein sehr junges Leben geendet. Außerdem war sein Rat an uns für die Zukunft, dass war alle Chancen, die wir durch gute Bildung und politische Mitbestimmung haben, nutzen sollen und dass wir alles für den Weltfrieden tun müssen, damit solche Taten, wie Herr Badio sie miterlebt hat, nicht wieder vorkommen.

Nach dem Zeitzeugengespräch haben wir noch eine historische Stadtführung durch Lublin gemacht, bei der wir der etwa siebenhundertjährigen Stadtgeschichte näher gekommen sind.

Nach dem Abendessen mit der traditionellen salzigen Suppe, wie jeden Abend, und leckeren Kartoffelpuffern, sind wir alle müde ins Bett gefallen oder haben Herrn Hackmann mit einem Hörspiel von Bibi Blocksberg die Zimmerruhe genommen.

(Emma Mamerow)

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